Dein ultimativer Leitfaden für einen NAS Server

von Furios
NAS-Server

Der Start in das Thema beginnt mit der Tatsache, dass mit dem Begriff nicht jeder etwas anfangen kann. Unter anderem, weil die Zielgruppe spezifisch ist und ein solches System nicht von allen benötigt wird. Wenn es jedoch der Fall ist, dann sollte man über die wichtigsten Dinge Bescheid wissen. Dazu gehört auch, was NAS eigentlich bedeutet, für wen so ein Server Sinn macht und wie die Vor- und Nachteile aussehen.

Was ist ein NAS überhaupt?

NAS steht für „Network Attached Storage“ und kann als „netzgebundener Speicher“ übersetzt werden. So ein Dateiserver kommt dann zum Einsatz, wenn ein Rechnernetzwerk mit einer unabhängigen Speicherkapazität ausgestattet werden soll.

Um es noch einfacher zu erklären, ist ein Beispiel mit einem Computer, der zu Hause im Wohnzimmer steht, ideal. Dieser verfügt nämlich über eine Festplatte, auf der Dateien abgespeichert werden können. Diese sind allerdings nur für den Nutzer erreichbar, der gerade davor sitzt. Der Rechner im Arbeitszimmer hat grundsätzlich keinen Zugriff darauf und man spricht deshalb von einem lokalen Speicher (auch als Local Storage bezeichnet).

Um genau dieses Ziel zu erreichen (also das alle im Netzwerk angemeldeten Rechner auf einen gemeinsamen Festplattenspeicher zugreifen können), ist ein NAS inklusive Übertragungsprotokolle (wie SMB/CIFS und NFS) notwendig. Die Mehrheit weist die Form eines Rechners auf und wird mit den verbauten Festplatten direkt in das Netzwerk eingespeist. Ein NAS-System wird demnach gekauft und direkt zu Hause angeschlossen und aufgestellt.

NAS als Netzwerk-Server

Alle PCs im Netzwerk haben anschließend Zugriff auf den Speicher und es wird vollkommen autonom gearbeitet (der „Network Attached Storage“ ist auf keinen dedizierten Server oder PC angewiesen).

Vielleicht wirst Du Dir jetzt denken, dass das Ganze Ähnlichkeiten mit einer Cloud hat. Und so ist es auch, allerdings gibt es trotzdem Unterschiede. Wesentlich ist vor allem, dass bei einer Cloud die Daten auf einem nicht näher deklarierten Server des Anbieters gespeichert werden. Man muss diesem bei der Sicherheit vertrauen und bei einem Ausfall ist kein Zugriff möglich. Ein NAS wiederum steht zu Hause und man hat sprichwörtlich alles selbst in der Hand. Beides hat Stärken und Schwächen, am Ende kommt es auf die eigenen Anforderungen an (mehr dazu unten bei den Vor- und Nachteilen).

Wann ist ein NAS-Server interessant und was bringt er mir?

Der Kauf eines NAS-Servers ist dann interessant, wenn innerhalb des eigenen Netzwerks eine zuverlässige Speicherquelle entstehen soll. Für ein paar wenige Daten lohnt es sich natürlich nicht, wenn aber beispielsweise Home-Office betrieben wird, dann kann es ein Thema sein.

Ein NAS bringt Dir unabhängige Speicherkapazität, Komfort und Festplatten, auf die von allen Netzwerk-Rechnern aus zugegriffen werden kann.

Wie sehen die Nutzungsmöglichkeiten aus?

Im Vordergrund steht wenig überraschend die Speicherung von Dateien (Datenarchiv). Dabei spielt es keine Rolle, ob diese von privater oder von beruflicher Natur sind. Die Nutzungsmöglichkeiten gehen aber noch weiter, sodass zum Beispiel bei entsprechender Einrichtung von überall drauf zugegriffen werden kann.

Ein Kaufgrund ist auch die Thematik mit den Backups. Auch dafür eignet sich ein NAS-Server, denn die darin enthaltene Technik ist auf Langlebigkeit und auf einen Dauerbetrieb ausgelegt (Backups sind deshalb besonders sicher und langlebig, aber nicht zu 100 Prozent – wie auch alle Alternativen – vor möglichen Schäden geschützt). USB-Sticks und externe Festplatten sind aus diesem Grund natürlich nicht schlecht, wenn aber schon ein NAS-System angeschafft wird, dann sollte es auch für Backups genutzt werden.

Weitere Einsatzgebiete stellen das Streamen von Medien und die Nutzung als privater Cloud-Speicher dar. Im zweiten Fall sollte jedoch die Internetverbindung schnell genug sein.

Das sind die Vor- und Nachteile

Wie bis jetzt gelernt, ist ein NAS-Server vielseitig einsetzbar und eine echte Cloud-Alternative, wenn den Anbietern nicht zu 100 Prozent vertraut wird. Perfekt sind aber auch diese Geräte nicht, sodass es jetzt Zeit für die Auflistung der Stärken und Schwächen wird.

Vorteile

  • Ein entscheidender Vorteil ist die Unabhängigkeit. NAS steht in den eigenen vier Wänden und wird direkt in das Netzwerk eingespeist. Zugriff haben nur ausgewählte Personen und die gespeicherten Dateien liegen wortwörtlich vor einem. Bei einer Cloud muss man sich hingegen voll und ganz auf den Anbieter verlassen.
  • Eine weitere Stärke ist die Freiheit beim Kauf, sodass es beispielsweise ein kleiner NAS-Server mit nur einer Festplatte sein kann. Das spart Geld, bei Bedarf geht es aber auch anders. Modelle mit mehr Platz für Festplatten bringen mehr Kapazität, sind aber auch größer und kosten mehr. Bei der Flexibilität, auch auf das Budget bezogen, gibt es demnach nichts zu meckern.
  • Die Bedienung ist unter Umständen auch als Vorteil anzusehen, denn ein NAS-System kann auf einem Windows-Computer problemlos als Netzlaufwerk eingebunden werden. Dadurch ist der Zugriff auf das Gerät bequem über den Explorer möglich und es scheint, als wären die Festplatten direkt im genutzten PC drinnen.
  • Im Vergleich zu einem normalen Computer benötigt ein „Network Attached Storage“ deutlich weniger Strom.

Nachteile

  • Die erste Schwäche bezieht sich auf die Kosten. Ein NAS-Server muss selbst gekauft werden und hängt in der Regel 24 Stunden am Strom.
  • Die zweite Schwäche hat mit der Einrichtung zu tun. Obwohl es dafür Assistenten gibt, ist Fachwissen „notwendig“. Vielleicht nicht unbedingt für den Start, allerdings für das spätere Feintuning. Erst damit läuft es so, wie man es sich vorstellt.

NAS-von-Intel

Wie sieht es mit dem Stromverbrauch und eventuellen Einsparmöglichkeiten aus?

Wie bereits erwähnt, zieht ein Netzwerkspeicher den ganzen Tag und die ganze Nacht Strom. Zwar sind fast alle Modelle relativ sparsam geworden, der Stromverbrauch ist aber trotzdem da. Pauschale Werte sind schwierig, da es von der Watt-Anzahl des NAS-Servers und vom Strompreis abhängt. Geht man als Beispiel von 50 Watt und einem Energiepreis von 0,26 Euro je Kilowatt aus, dann ergeben sich pro Stunde Kosten von 0,013 Euro. In 24 Stunden sind es 0,31 Euro, pro Monat 9,67 Euro (bei 31 Tagen) und im Jahr 113,15 Euro.

Einsparungen lassen sich bereits beim Kauf tätigen, denn je weniger Watt angegeben sind, desto besser ist es für den Stromverbrauch. Dieser Aspekt sollte aber nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen, denn ein NAS-Server sollte eine zufriedenstellende Leistung haben, sodass es auf 5 oder 10 Euro im Jahr nicht ankommt. Die Hardware spielt freilich auch eine Rolle, da beispielsweise mehr Festplatten mehr Energie bedeuten. Eine Einsparmöglichkeit bietet auch der Stromanbieter, der ganz einfach gewechselt werden kann. Mithilfe von Vergleichsportalen ein Kinderspiel.

Alles rund um die Sicherheit von einem NAS-Server

NAS-Systeme sind beliebt, weil die Daten (wie Bilder, Steuererklärungen usw.) im eigenen Netzwerk bleiben. Man ist selbst Admin und kann über Berichte zu Datenschlampereien nur lachen. Doch wie sieht es mit der Sicherheit aus?

Grundsätzlich ist es so, dass dieser Punkt sehr stark vom Nutzer abhängt. Schert man sich nur wenig darum, dann ist NAS unsicher und angreifbar. Nimmt man sich wiederum Zeit dafür, dann kann ein Netzwerkspeicher zu einem sehr sicheren Gerät werden. Mit den folgenden Tipps tritt der zweite Fall ein und es lassen sich sowohl Angriffe von außen als auch die Hacking-Gefahr auf ein absolutes Minimum reduzieren.

  1. Ist der Speicher ausgepackt und angeschlossen, dann erfolgt der Zugriff über ein Administrator-Konto. Dieses ist meist schon vorgegeben, was praktisch und unsicher zugleich ist. Der Benutzername ist nämlich fast immer „admin“ und lässt sich binnen Sekunden herausfinden (Angreifer hätten so bereits die halben Zugangsdaten). Deshalb immer den bereits eingerichteten Account löschen und ein brandneues Administrator-Konto erstellen.
  2. Wie auch beim Computer und bei Smartphones, ist ein aktueller Stand des Betriebssystems und der Programme aufgrund von Sicherheitslücken Pflicht. Vor allem nach der ersten Inbetriebnahme des NAS-Servers sollte nach Updates gesucht werden. Die meisten NAS-Modelle verfügen über eine Web-Oberfläche, sodass Aktualisierungen bequem online eingespielt werden können.
  3. Der Rat zu einem sicheren Passwort ist auch hier maßgeblich. Bei „123456“ ist es für Kriminelle eine Einladung, die gerne angenommen wird. Ein sicheres Kennwort sollte die Länge von rund drei Wörtern haben, Groß- und Kleinbuchstaben und Zahlen beinhalten. Im besten Fall sind auch noch Sonderzeichen enthalten. Fehlt die Fantasie, dann helfen auch entsprechende Passwort-Generatoren im Internet.
  4. NAS unterscheiden sich unter anderem durch die Anzahl ihrer Funktionen. Einige können beispielsweise einen App Store vorweisen, über den sich weitere Anwendungen installieren lassen. Praktisch, jedoch sorgt jedes Feature für eine größere Angriffsfläche. Wird also eine Funktion nicht benötigt, dann sollte diese deaktiviert werden. Dadurch ergibt sich auch der Vorteil von mehr Leistung.
Übrigens muss man sich beim Kauf eines Netzwerkspeichers keine großen Sorgen über den Datenschutz machen, denn eine NAS-Lösung ist an sich DSGVO-konform. Es werden nämlich keine personenbezogenen Daten bezogen.

Welche Bestandteile brauche ich, um selbst einen NAS-Server zusammenzustellen?

NAS-Systeme können nicht nur fertig gekauft, sondern auch selbst gebaut werden. In Wahrheit ist das auch gar nicht schwer, da es vom Prinzip her Rechner mit einem speziellen Server-Betriebssystem sind. Lediglich um Komponenten wie Monitor und Maus muss man sich nicht kümmern, da diese nicht benötigt werden. Die Konfiguration findet nämlich über das Netzwerk und über den Browser statt.

  • Gehäuse: Bei der Zusammenstellung ist das Gehäuse der erste Schritt. Es kann zwischen besonders kompakten und deutlich größeren Modellen gewählt werden. Einfluss darauf haben der verfügbare Platz und die gewünschte Festplattenanzahl. Ein Netzteil ist meist schon verbaut, wobei die Wattstärke vergleichsweise niedrig ist. Das ist aber ganz normal, da NAS-Server unter anderem keine stromfressende Grafikkarte benötigen.
  • Mainboard und Prozessor: Nach dem Gehäuse folgt die Auswahl eines Mainboards und einer CPU. Im ersten Fall sind ausreichend SATA-Anschlüsse empfehlenswert, Nebensächlichkeiten wie das Design sind für einen Netzwerkspeicher irrelevant. Besser ist der Fokus auf die Punkte „Flexibilität“ und „Stabilität“. Der Prozessor sollte möglichst stromsparend und an die Anforderungen angepasst sein. Werden lediglich Dateien gespeichert, dann würde sogar eine passiv gekühlte CPU reichen. Der Vorteil ist dann ein sehr leiser oder sogar lautloser Betrieb.
  • Arbeitsspeicher: Weiter geht es mit dem RAM. Theoretisch kann es nie genug davon geben, es sollten jedoch zumindest zwischen 4 und 16 GB sein. Ein NAS-Betriebssystem ist nämlich oft sehr hungrig nach Arbeitsspeicher, nach oben hin gibt es freilich keine Grenzen.
  • Festplatte: Zu den wichtigsten Bestandteilen zählen natürlich die Festplatten. Sie sind schließlich die Komponenten, die später 24 Stunden am Tag arbeiten. Wichtig ist, dass es sich um Platten mit der Eignung zum Dauerbetrieb handelt. Gewöhnliche SATA-Festplatten haben diese Eigenschaft nicht, stattdessen sind Serverfestplatten das richtige Stichwort. Es gibt oft auch Hinweise wie „24/7“. Während die Kapazität eine Hauptrolle spielt, ist eine hohe Geschwindigkeit nicht von Bedeutung. Es reichen bereits 5.400 Umdrehungen aus, da die Netzwerkgeschwindigkeit den Ton angibt. Weniger Umdrehungen bedeuten außerdem weniger Geräusche und ein niedrigerer Stromverbrauch. SSD-Festplatten sind übrigens in den meisten Fällen nicht interessant, da der Geschwindigkeitsvorteil nicht genutzt werden kann und diese außerdem deutlich teurer sind.
  • Betriebssystem: Abgerundet wird ein NAS-Server mit einem Betriebssystem. Soll es kostenlos sein, dann kommen zum Beispiel „NAS4Free“ und „FreeNAS“ infrage. Mit „Windows Server“ hat aber auch Microsoft eines im Sortiment, ohne Kosten klappt es dann aber nicht.

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