LN2 – Kühlungen für den PC; was ist das und wie kriegst du sowas?

von Furios
LN2-Kühlung

Du hast bestimmt von einigen Leuten gehört, die ihre PCs mit flüssigem Stickstoff kühlen. Und da schaust du auf deinen eigenen Rechner, der eine übliche Luftkühlung besitzt. Wozu also eine Stickstoff-Kühlung und macht sie auch Sinn? Mehr dazu in diesem Artikel.

PC-Kühlungen

Dein Prozessor und deine Grafikkarte erzeugen im Betrieb viel Wärme. Egal ob beim Zocken oder beim Streamen, die Siliziumkerne der Prozessoren laufen warm. Würdest du in deinen PC kein Kühlsystem einbauen, würden die Kerne schnell nach kurzer Zeit zu heiß werden. Anschließend stürzt dein PC ab und schlimmstenfalls ist die überhitzte Hardware ebenfalls nicht mehr zu retten. Daher werden alle PCs mit Kühlsystemen ausgestattet, die die Prozessoren auf einer bestimmten Temperatur halten sollen.

Üblich ist hierbei die gängige Luftkühlung. Grafikkarten haben oft eine eigene Lüftung vom Hersteller auf die Platine gebaut bekommen. Daher musst du dich in der Regel nur mit der Kühlung deines Prozessors befassen. Auf den Prozessor wird einfach eine Wärmeleitpaste aufgetragen und anschließend der Luftkühler aufgestellt. Aber du hast auch sicherlich von anderen Kühlsystemen gehört. Einige PC-Cracks haben sich eine Wasserkühlung zugelegt andere gleich eine Stickstoffkühlung. Aber warum eigentlich?

Mehr Leistung – Mehr Hitze

Wenn du dir die Leistung deines Prozessors anschaust, siehst du einen Wert wie „3 GHz“ – also drei Gigahertz. Im Grunde bestimmt dieser Wert, wie schnell dein Computer rechnen kann. Jedoch kann man mehr Leistung aus dem Prozessor holen, indem man ihn „übertaktet“. Das steigert die Leistung, führt aber zu einer gesteigerten Hitzeentwicklung. Besonders Gamer bedienen sich dieser Methode, um die Leistungsfähigkeit ihrer PCs an ihre Grenzen zu bringen.

Dafür reichen manchmal keine gängigen Luftkühler mehr aus, da sie, um die erforderliche Kühlung zu liefern, viel lauter sein müssten. Und keiner mag den Lärm eines Lüfters. Viele Gamer weichen daher auf Wasserkühler aus. Das sind mit Wasser gefüllte Kühlkreisläufe, die die von den Komponenten produzierte Wärme abführen. Sie ist mittlerweile zu einem luxuriösen Bestandteil vieler High-End-PCs. Doch richtige PC-Cracks basteln an Kühlsystemen, die mit Flüssigstickstoff funktionieren.

Experimentell und nicht ganz ungefährlich

Liquid Nitrogen oder auch Flüssiger Stickstoff hat eine Temperatur von -210° Celsius und wird von Enthusiasten dafür genutzt auch das letztmögliche Quäntchen Leistung aus ihrem PC rauszuholen. Dabei wir anstatt eines Lüfters ein gut isoliertes Rohr auf dem Prozessor befestigt und stetig Flüssigstickstoff reingegossen. Das verdampft dabei sofort, da dessen Siedepunkt bei -196° Celsius liegt und ständig nachgefüllt werden muss. Logischerweise kann der Prozessor dabei nicht im Gehäuse verbaut sein.

Das Ziel ist es, die Temperatur des Prozessors nah bei -100° Celsius zu halten, aber nicht kälter. Dadurch lassen sich aus einem 3 GHz-Prozessor stolze 6 GHz rausholen. Für viel Gamer ein Traum aber dieses System ist weder billig noch ungefährlich. Flüssigstickstoff kann man nicht einfach in einem Laden kaufen, da es hauptsächlich in der Industrie verwendet wird. Außerdem ist Flüssigsticksoff so kalt, dass dir bei Hautkontakt die Haut und die betroffenen Muskeln sofort absterben. Sie gefriert quasi so schnell zu Eis, dass dir das Fleisch wegbricht. Es ist außerdem eine Liebhaberei, die nicht alltagstauglich ist. Denn die Schwierigkeit liegt darin einen gleichmäßigen Strom an Stickstoff zuzuführen, um die CPU in einem bestimmten Temperaturbereich zu halten. Gleichzeitig wird der Stickstoff verdampft und muss ständig neu gekauft werden.

Und da beim Verdampfen viel Kondenswasser entsteht, die dir die Hardware kurzschließen kann, muss die CPU außerhalb des Gehäuses aufgebaut werden. Das hat den Grund, dass der Stickstoff von Hand regelmäßig in den sogenannten „Pot“ gegossen werden muss. Dieser passt nicht in ein herkömmliches Gehäuse. Der Raum muss dabei gut belüftet sein, da sonst Erstickungsgefahr droht.

Geschlossene Stickstoffkühlung

Wenn du vorher von einer Stickstoffkühlung bei einem PC gehört hast, dachtest du wahrscheinlich schon an einem ausgeklügelten System was in das Gehäuse verbaut wird. Die gibt es aufgrund der ineffizienten Kühlung nicht. Dies betrifft dabei nur Hersteller. Dass Flüssigstickstoff teuer ist und sich die Kühlung als ineffizient herausstellt, hat noch keinen Enthusiasten davon abgehalten es trotzdem zu versuchen.

2018 stellte der als „Kingpin“ bekannte Extrem-Übertakter Vince Lucido sein „All-in-One“-Stickstoffkühlsystem vor. Das erstaunliche war, dass es ihm gelungen ist ein geschlossenes System zu bauen, was mit einem „Roboclocker“ ausgestattet ist, welches die Temperaturen von GPU und CPU genau überwacht. Der Clou dabei war die automatisch erfolgende Zuführung und genaue Dosierung. Diese Monstrosität war mit zwei großen Stickstofftanks verbunden, was definitiv nicht jeder unterhalten kann.

So beeindruckend „Kingpins“ Aufbau auch erscheinen mag, sie bleibt letztendlich nur Liebhaberei. Und alles andere als alltagstauglich. Jetzt fragst du dich wahrscheinlich, weshalb man für PC-Kühlung Stickstoff verwenden will. Die meisten Enthusiasten nutzen dies, um Weltrekorde in Übertakten aufzustellen. So absurd es zuerst klingen mag.

Kann man eine Stickstoffkühlung für PC kaufen?

Werkfertige Stickstoffkühlungen gibt es nur wenige im Angebot. Dafür sind diese recht teuer. Daher bauen die meisten „Übertakter“ auf Rekordjagd ihre Kühlungen selbst. Was du aber bei verschiedenen Anbietern erwerben kannst, sind die dazu benötigten Teile. Diese lassen sich bei diversen Online-Händlern käuflich erwerben. Wenn du dir eine Stickstoffkühlung zulegen willst, gibt es einiges zu beachten.

Hast du das technische Know-How? Das ist etwas für richtige PC-Cracks, die ihren Rechner in- und auswendig kennen. Um neue Rekorde aufzustellen, gehen diese Experten an die Grenzen des momentan technisch Möglichen.

Fazit: Ein teurer Spaß für Profis

Ein Kühlsystem, was auf Flüssigstickstoff basiert, ist ein Ding für Profis. Für ein einfaches „Ausprobieren“ ist der ganze Aufwand zu teuer und technisch anspruchsvoll. Zudem ist der Umgang mit Flüssigstickstoff immer noch gefährlich. Du willst dir sicher nicht einen Finger oder gleich eine ganze Hand abfrieren, nur weil du mit dem LN2 unachtsam warst!

Für die Profis ist das die Pionierarbeit. „Kingpin“ hat laut eigener Aussage zwei Jahre an seinem Aufbau gearbeitet, bevor er sie auf der Computex vorstellte. Außerdem ist diese Leidenschaft sehr teuer, denn die teure Hardware und der ständig nachzubestellende Flüssigstickstoff kostet viel Geld.

Durch diese Pionierarbeit könnten durchaus neue alltagstauglich Kühlsysteme entstehen. Aufgrund der immer weiter vorschreitenden Technik kann es durchaus vorkommen, dass es in Zukunft solche Systeme auch für die breite Masse zur Verfügung steht. Angesichts der steigenden Leistungsfähigkeit der Prozessoren und der damit erzeugten Hitze ist es nicht allzu unwahrscheinlich.